Pedro Holzhey Seid barmherzig – auch mit Tätern

03.07.2017

Pedro Holzhey hat seine Frau getötet. In Stadelheim ist er Gott nähergekommen und hat gelernt, sein Leben wieder anzunehmen. Heute hilft er Gefangenen, wieder in die Gesellschaft zurückzufinden.

Pedro Holzhey hat seine Frau getötet und seine Strafe abgesessen. In der Haft hat er zu Gott gefunden. Heute hilft er anderen Gefangenen zurück in die Gesellschaft. © SMB/KSchmid

Ein Krimi beginnt in der Regel mit einem Mord und am Ende sieht man, wie die Handschellen zuschnappen. Wie es danach weitergeht, das hat Pedro Holzhey am eigenen Leib erlebt. Denn er war 15 Jahre in Stadelheim inhaftiert, weil er seine Frau getötet hat.

Als sich die Zellentür damals schloss und er alleine war, war das „der Augenblick, wo ich das Gefühl hatte, es gibt eigentlich nichts mehr in diesem Leben. Ich existiere zwar noch irgendwie körperlich, aber ich weiß nicht warum und was das noch soll.“ Die Frage, wie lange er wohl ins Gefängnis muss, hat er sich nicht gestellt. „Ich hatte mein Leben verwirkt. So habe ich das empfunden.“

Irgendwann in der ersten Nacht im Gefängnis hat er angefangen zu reden. Er weiß nicht so genau, ob es Selbstgespräche waren. Er hatte nie über Gefühle gesprochen, immer alles mit sich selbst abgemacht. Jetzt hat er laut erzählt, was in seinem Leben schiefgelaufen ist, was er bereut. Ganz tief in seinem Inneren hat er gegraben. „Und ich hatte das Gefühl, dass da jemand zuhört.“ Heute würde er vielleicht sagen, dass er damals angefangen hat zu beten. Nach einigen Tagen ging die Zellentür auf und ein Seelsorger fragte ihn, ob er reden möchte. Aus dem einen Gespräch sind sehr viele geworden, in denen er Begriffe wie Schuld, Vergebung, Versöhnung und Barmherzigkeit kennenlernte. Holzhey war nie religiös gewesen, aber die Erfahrung mit diesen Menschen und das Abladenkönnen all seiner Gedanken hat ihn neugierig gemacht auf den katholischen Glauben. Er bat um eine Bibel, las sie von vorne bis hinten. Nach etwa einem Jahr hat er darum gebeten, getauft zu werden.

Nach zwei Jahren Untersuchungshaft kam der Prozess. Die Richter verurteilten ihn zu lebenslanger Haft. Das Urteil hat er nicht infrage gestellt, wohl aber die Art, wie Justizvollzug funktioniert.

Zusammen mit einer Kriminologin und einer Erzieherin hat er 2011 den Verein „SET-FREE e.V.“ gegründet. Rund 40 Ehrenamtliche arbeiten dort mit. Das Ziel ist eine Begleitung vom ersten Hafttag an und über die Entlassung hinaus. Auf der Homepage des Vereins heißt es: "Wir haben den Traum von einer Gesellschaft der Barmherzigkeit, die den Menschen hinter Gittern eine Chance zur Umkehr gibt und die es möglich macht, dass aus Straftätern Täter der Liebe werden."

Auf die Frage, was denn mit Barmherzigkeit gemeint sei, antwortet Holzhey: Das heiße, „sich jemandem zuzuwenden, der versagt hat und ihm die Hand zu reichen beim Wieder-Aufstehen – unabhängig davon, was er getan hat. Die Tat vom Täter zu trennen – zu sagen, deine Tat verabscheue ich und du sollst es auch nicht wieder tun, aber als Mensch bist du wertvoll.“

Audio

Hauptsache Mensch - Pedro Holzhey

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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