Olivier Ndjimbi-Tshiende Der ehemalige Zornedinger Pfarrer meldet sich zurück

22.09.2017

Im März letzten Jahres hat Olivier Ndjimbi-Tshiende seine Pfarrei in Zorneding in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verlassen. Der Grund: Er hatte Angst um sein Leben. Denn er hatte mehrere Morddrohungen erhalten, nachdem der Streit um rassistische Äußerungen einiger CSU-Lokalpolitiker eskaliert war. Jetzt hat er ein Buch geschrieben. "Und wenn Gott schwarz wäre..." heißt es.

Aus Angst hat er seine Gemeinde verlassen. Und auch heute noch fürchtet er sich manchmal. Zum Beispiel, wenn ihn ein Fremder anspricht und ihn fragt, ob er der ehemalige Pfarrer von Zorneding sei. „Dann schaue ich erstmal hin und überlege, ob ich mich zu erkennen gebe. Ich weiß ja nicht, ob er mir gut gesonnen ist.“ Aber bisher waren das nur Leute, die ihn unterstützen wollten. Im März 2016 hatte Olivier Ndjimbi-Thiende seine Pfarrei verlassen. Im Oktober des Vorjahres hatte der Konflikt begonnen. Damals hatte sich eine CSU-Lokalpolitikerin fremdenfeindlich im Parteiblatt „ZornedingReport“ geäußert. Der Pfarrgemeinderat forderte die Partei daraufhin auf, anstelle der abgebildeten Kirchtürme deutlich den Schriftzug CSU-Zorneding in die Kopfzeile zu nehmen. Njimbi-Tshiende äußerte sich in der Süddeutschen Zeitung. Der Konflikt eskalierte. Beleidigende Briefe, weißes Pulver und am Ende sogar Morddrohungen fand der Pfarrer in seinem Briefkasten. „Da musste ich wirklich um mein Leben fürchten, weil die Morddrohungen immer konkreter wurden. Also wenn man sagt, wir kennen ihr Autokennzeichen, wir sehen ihre Lichter im Zimmer, dann heißt das, jemand beobachtet mich. Damals habe ich Freunde gebeten, mich im Auto zu begleiten, wenn ich einen Gottesdienst in einem Nachbarort hatte.“ Sogar Polizeischutz hatte er in einem Gottesdienst. Von all diesen Erlebnissen schreibt der 67-jährige in seinem Buch „Und wenn Gott schwarz wäre…“. Doch nicht nur das: er denkt auch darüber nach, wie er sich eine Kirche der Zukunft vorstellt, die Liebe und Barmherzigkeit lebt.

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de