Literatur Das Problem mit dem Geld

09.10.2017

Ingo Schulze ist ein Autor, der einen immer wieder dazu verführen kann, in die Zeit der DDR und der Wende einzutauchen und dabei nicht in Klischees zu ertrinken.

Ingo Schulze bei "Dachau liest" © hafner

In seinem neuen Roman lässt er einen sozialistisch sozialisierten, absolut utopiegläubigen jungen Mann die Wende erleben und steckt ihm viel Grundkapital zu, mit dem er in der neuen Gesellschaft seine Ideale verwirklichen möchte. Doch Geld kann zum Problem werden, erlebt Peter Holtz. „Mir geht es immer um das Hier und Jetzt, aber das braucht auch einen gewissen Anlauf um zu sehen, wie das geworden ist“, sagt Ingo Schulze. Für seinen neuen Roman hat er sich an das Genre des Schelmenromans angelehnt, um einen Helden zu haben, mit der er aus einer gewissen Distanz und auch mit einem gewissen Unterhaltungswert über die turbulente Zeit in den Monaten nach dem Mauerfall schreiben konnte und wohin sich die ehemalige DDR dann entwickelte.
„Ich erinnere mich an 1989 als eine furchtbar anstrengende Zeit, aber wenn man drüber nachdenkt, was da im Alltag versucht wurde zu verwirklichen, das passt heute kaum noch in eine Utopie rein. Das war eine ungeheure Freiheit, die wir da für ein paar Monate hatten, die eben noch nicht vom Lobbygeld bestimmt war, andererseits auch nicht von Parteienhierarchien“, resümiert der Schriftsteller. Und findet, man müsse an solche Utopien erinnern, denn heute, da gebe es kaum noch einen Gegenentwurf.
Gefragt nach der speziellen Befindlichkeit der Ostdeutschen und dem dort so stark wachsenden rechten Strömungen wird Ingo Schulze deutlich: Das sei im Osten vielleicht früher zu erkennen, aber durchaus ein gesamtdeutsches Problem: „Wenn ich mir ansehe, wo überhaupt in Deutschland Rechtspopulismus Erfolge verzeichnet, dann ähnelt sich das doch schon. Es ist doch klar, dass es für viele wie Hohn klingt wenn gesagt wird, Deutschland ist ein reiches Land und sie kommen grade so über die Runden.“ Sein Romanheld Peter Holtz würde das wohl auch so sehen.

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Ingo Schulze über die Utopien von 1998

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